|
Aus höchster Bedrängnis haben sich die EWE Baskets Oldenburg am Dienstagabend mit einer imposanten Energieleistung befreit. Lagen sie in der 37. Minute noch mit 65:73 hinten, feierten sie vor 1987 begeisterten Zuschauern in der EWE ARENA einen 82:80-Erfolg gegen Roanne Basket (Frankreich).
Damit halten die Norddeutschen jetzt im Rennen um den Viertelfinal-Einzug in der EuroChallenge alle Trümpfe in der Hand. Ein Sieg am Dienstag, 28. Februar, bei ZZ Leiden (Niederlande) würde die Oldenburger sicher in die Runde der letzten Acht führen. Zuvor geht es aber in der Beko Basketball Bundesliga an diesem Samstag um 20 Uhr vor heimischer Kulisse gegen die BG Göttingen weiter.
Von der ersten Minute an – und entsprechend von den Fans honoriert – zeigten die EWE Baskets eine entschlossene Leistung in der Defensive, kämpften um jeden Ball und konnten auch damit leben, dass die Offensive unter den Verteidigungs-Investitionen litt. Das 11:12 nach zehn Minuten war Ergebnis der beiderseitigen Bestrebungen, dem Gegner das Leben möglichst schwer zu machen – gewiss aber auch Ausdruck einer Verunsicherung, da beide Teams in den letzten Wochen mit Problemen zu kämpfen hatten.
Je länger die Begegnung dauerte, desto deutlicher wurde zunächst, dass es an diesem Abend wohl keine frühe Entscheidung geben würde. Auch nach 30 Minuten (56:56) war alles offen. Das letzte Viertel bescherte den leidenschaftlich mitgehenden Besuchern dann einen Höhepunkt nach dem anderen. Auf den kurzzeitig fast entscheidenden und unerwartet hohen Rückstand folgte eine Schlüsselszene, in der die Gäste den Oldenburgern zu ihrem (verdienten) Glück verhalfen: Mouloukou Diabate brachte den enteilten Ronnie Burrell unsanft zu Fall, kassierte ein Unsportliches Foul und musste mit ansehen, wie die eigene 75:68-Führung in der Folge rasch schmolz. Der starke Bobby Brown mit zwei Freiwürfen zum 78:77 und Kenny Hasbrouck per Dreier (81:80, 40.) stellten die Weichen dann auf Sieg. Ronnie Burrell traf schließlich mit 2,4 Sekunden auf der Uhr den ersten Freiwurf, zielte mit dem zweiten daneben – und Brown fing den letzten weiten Pass der Franzosen ab.
Baskets-Headcoach Predrag Krunic zeigte sich verständlicherweise zufrieden und erleichtert: „In der ersten Halbzeit waren beide Mannschaften sehr nervös, man hat ihnen den Druck angemerkt. Wir haben aber bewiesen, dass wir 40 Minuten lang gut verteidigen können und haben uns den Sieg in den letzten Minuten erkämpft. Mein Dank geht an unser Publikum, das uns hervorragend unterstützt hat und einen großen Anteil am Erfolg hatte.“ Frustriert war hingegen Luka Pavicevic, der unmittelbar nach seiner Einschätzung der Partie den Presseraum enttäuscht verließ. „Es ist sehr schwer, jetzt über die Partie zu sprechen. Ich dachte, wir hätten im vierten Viertel die Kontrolle über das Spiel erlangt, aber durch einige unglückliche Entscheidungen haben wir es noch abgegeben.“
Topscorer Bobby Brown (23 Punkte) unterstrich, dass die Begegnung „auch eine Reaktion von uns auf das Spiel gegen Bonn in der Vorwoche“ war. „Wir werden als Team aus diesem Sieg so viel Energie wie möglich in die Beko Basketball Bundesliga zu übertragen versuchen. Wenn wir weiter so spielen wie heute, ist in beiden Wettbewerben noch alles möglich.“ Uchenna Nsonwu, bester Akteur bei Roanne (24 Punkte), resümierte die 40 Minuten als Partie, „in der es in der zweiten Halbzeit den Eindruck machte, als ginge es bei jedem Ballbesitz um Leben und Tod. Wir waren uns von der ersten Minute an über die Bedeutung dieses Spiels bewusst. Jetzt werden wir in der nächsten Woche alles dafür tun, Ventspils zu besiegen.“
Noch keinen Vollzug können die EWE Baskets Oldenburg derweil bezüglich eines Neuzugangs vermelden. „Wir haben selbstverständlich Kandidaten im Auge“, so Geschäftsführer Hermann Schüller. „Allerdings wollen wir natürlich auch kein Risiko eingehen, schließlich gilt es, einen Akteur zu einem durchaus schon fortgeschrittenen Zeitpunkt der Saison in den Kader zu integrieren. Sorgfalt geht hier ganz klar vor Geschwindigkeit.“ Dabei müssen sich die Oldenburger zwei Herausforderungen stellen: „Ende Februar gibt es logischerweise auf dem Spielermarkt nicht mehr die freie Auswahl“, so Schüller, „zudem sind wir einer von vielen Clubs, die in diesem Moment nach Verstärkungen suchen.“ Formell haben die Baskets bis zum 28. Februar Zeit, ihren Kader zu erweitern. Dann endet die Wechselfrist der Beko Basketball Bundesliga. Die Verhandlungen mit einem Kandidaten waren derweil schon weit fortgeschritten, scheiterten aber an zu hohen Buyout-Forderungen.
Text: Torben Rosenbohm, EWE Baskets Oldenburg
|